Die FamilientherapieMutterschaf Lamm kuessend

Einordnung

Psychische Störungen sind nicht einem individuellen Problem zuzuschreiben sondern Reaktionen im Zusammenhang mit den sozialen Umweltbedingungen, z.B. der Familienstruktur.

Diese Grundannahme herrscht in der Familientherapie bei der sich der therapeutische Blick auf die Beziehung auf Familienmitglieder erweitert. Nicht der einzelne Mensch ist krank, sondern Krankheit weist auf eine Störung im (Familien-)System hin. Die Behandlung umfasst die Behandlung der ganzen Familie.

Geschichte

Der Ursprung der Familientherapie liegt in den ersten Phasen der Psychoanalytik. Anders als bei der Tiefenpsychologie gibt es in der systematischen Familientherapie mehrere Gründungsorte. So entwickelte sich die Bewegung in den fünfziger Jahren zunächst in den USA, wo Gregory Bateson, Don Jackson, Jay Haley und John Weakland die Doppelbindungstheorie aufstellten. Sie identifizierten familiäre Beziehungsstrukturen, die in der Folge zu Verhaltensformen führen können, die als Schizophrenie bezeichnet werden.

Erst im darauffolgenden Jahrzehnt entwickelte die Italienerin Mara Palazzoli die strategische Familientherapie und brachte die Bewegung nach Europa. Sie ließ eingefahrene und starre Strukturen einer Familie von außen aufbrechen, um dem gesamten System zu einer Neuordnung zu helfen.

Horst-Eberhard Richter und Helm Stierlin verbreiteten die Familientherapie schließlich in Deutschland, wo sie seit Dezember 2008 anerkannt ist.

Systematische Familientherapie

Familientherapeuten arbeiten ressourcenorientiert. D.h. das familiäre System wird als Ressource betrachtet, auf dem aufbauend das einzelne Mitglied sowohl seine Fähigkeiten und Stärken als auch Verhaltensstörungen entwickeln kann.

Die Sitzungen werden mit möglichst allen wichtigen Familienmitgliedern, teils auch mit anderen wichtigen Personen aus dem sozialen Umfeld durchgeführt. Dabei gilt es die bisherigen Muster und Vorannahmen durch besondere Gesprächstechniken in Frage zu stellen und andere Sichtweisen anzuregen.