Die Gesprächstherapie nach Carl R. Rogers

"Menschen, denen die Möglichkeit gegeben wird, wahrhaft zu werden, was sie zutiefst sind, wenn sie die Freiheit haben, ihre eigentliche Natur zu entfalten, immer eine deutlich Entwicklung auf Ganzheit und Integration durchmachen"
Carl R. Rogers

Die Gesprächspsychotherapie, auch Personzentrierte Psychotherapie genannt, wurde in den 1940er Jahren von dem amerikanischen Psychologen Carl Ransom Rogers (1902-1987) entwickelt und gehört zu den humanistischen Therapien. Das heißt, sie konzentriert sich auf die Möglichkeiten, die der Mensch in sich trägt und bleibt im Hier und Jetzt. Roger interessierte sich sehr für die Frage, welche Wirksamkeit das therapeutische Handeln hat. Dafür zeichnete er therapeutische Gespräche auf und stellte in deren Analyse drei wesentliche Merkmale der klientenzentrierten Haltung fest: Akzeptanz, Empathie und Echtheit. Einfluss auf die psychologischen Sichtweisen Rogers nahmen neben dem österreichischen Psychoanalytiker Otto Rank auch die Philosophen Sören Kierkegaard und Martin Buber. Seit den 1960er Jahren verbreitet sich die Gesprächstherapie auch vermehrt in Deutschland.

Grundannahmen

Die Gesprächspsychotherapie beruht unter anderem auf folgenden Grundannahmen:

  • Jeder Mensch verfügt über ausreichend Wachstumspotenzial und Selbstheilungskräfte. Eine vertrauensvolle, weitgehend angstfreie Situation hilft dem Klienten, seine Selbstheilungskräfte zu aktivieren. Die Psychotherapie müsse deshalb ein günstiges Klima für den gestörten Wachstumsprozess schaffen.
  • Der Mensch trägt alles zur Heilung Notwendige in sich und ist selbst am besten in der Lage, seine persönliche Situation zu analysieren und Lösungen für seine Probleme zu erarbeiten.
  • Das wichtigste Bedürfnis des Menschen ist das Bedürfnis nach Anerkennung. Menschen brauchen das Gefühl, gesehen, beachtet und verstanden zu werden.

Behandlung

Rogers ging davon aus, dass die Beziehung zwischen Klient und Therapeut den zentralen Ansatz für eine Therapie darstellt. Die emotionale Ebene, der Ausdruck, die Körpersprache und das prinzipielle, gegenseitige Wohlwollen stehen im Vordergrund. Der Therapeut bietet Beziehung an, der Klient kann sie annehmen.

Die hilfesuchende Person, ihre Gefühle, Wünsche, Wertvorstellungen und Ziele stehen im Mittelpunkt der Therapiesitzungen, die Sichtweise des Therapeuten tritt in den Hintergrund. Ratschläge und Bewertungen werden vermieden und durch nicht-direktives Verhalten, aktives Zuhören und Empathie ersetzt.